75 Jahre KRAVAG

Der Traum von der eigenen Geisterbahn

Schausteller in neunter Generation

Familienbetrieb mit Gänsehaut

Joseph Maria Hoefnagels vor seiner "Diablos Residenz" auf dem Hamburger Winterdom

75 Jahre KRAVAG, 75 Geschichten: In unserem Jubiläumsjahr erzählen wir spannende Storys aus der Transport- und Logistikbranche, von besonderen Menschen und außergewöhnlichen Ereignissen, die die KRAVAG geprägt haben.

Eine eigene Geisterbahn besitzen! Wer von uns hatte diesen Traum als Kind nicht? Doch was bei den meisten Menschen zu einer nostalgischen Erinnerung verblasst, ist für KRAVAG-Kunde Joseph Maria Hoefnagels Wirklichkeit geworden. Vor gut drei Jahren gab er die „Diablos Residenz“ in Auftrag – und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum.

Für den 28-Jährigen ist die Geisterbahn im mexikanischen Stil inklusive Live-Erschrecker allerdings kein Privatvergnügen, sondern sein Job. Joseph Maria Hoefnagels ist Schausteller. Bereits in neunter Generation übt er diesen Beruf aus. „Angefangen mit meiner Selbstständigkeit habe ich vor mehr als sieben Jahren mit einem kleinen Crêpes-Stand. Nur weil man aus einer Schaustellerfamilie kommt, heißt das nicht, dass man gleich mit den großen Geschäften unterwegs ist“, erzählt der gebürtige Niederländer und zeigt stolz auf die rund 33 Meter lange und drei Stockwerke hohe Geisterbahn hinter ihm.

Premiere in Hamburg

Highlight der Geisterbahnfassade: Ein angsteinflößender Hund mit glühenden Augen

Vom 7. November bis zum 7. Dezember feierte die „Diablos Residenz“ auf dem Winterdom Weltpremiere – für Joseph Maria Hoefnagels nicht nur eine besondere Location, sondern auch ein Familientreffen. „Mein Vater steht direkt nebenan“ sagt er und zeigt auf das „Infinity“, in dem gerade Fahrgäste in 65 Meter Höhe kopfüber in einer Gondel sitzen und laut kreischen. „Mein Onkel, meine Schwägerin und meine Schwiegereltern sind auch mit ihren Geschäften hier. Dass die Familie so geballt auf einem Platz steht, kommt aber tatsächlich selten vor.“

Hoefnagels Frau stammt ebenfalls aus einer Schaustellerfamilie und ist gerade in Berlin unterwegs, wo das Paar auf dem Wintermarkt Schloßplatz noch einen Glühweinstand betreibt. Die gemeinsame vierjährige Tochter ist bei Papa geblieben. Das rollende Haus der jungen Familie, das Joseph Maria Hoefnagels während der Coronapandemie selbst gebaut hat, steht hinter der „Diablos Residenz“.

Selbst anpacken gehört für Schausteller in jeder Lebenslage dazu. So stammt auch das Design für die Geisterbahn aus Hoefnagels Hand. Die antik aussehenden Laternen samt Sitzbänken hat er gleich selbst gebaut. Ein Highlight der Fassade, das auch zahlreiche Jahrmarktbesucher zum Stehenbleiben bringt: Ein riesiger, sich bewegender Hundekopf mit glühenden Augen und einem Skelett im Maul, der Harry-Potter-Fans bekannt vorkommen dürfte, denn er sieht Fluffy, Hagrids dreiköpfigem Hund aus dem ersten Teil, zum Verwechseln ähnlich.

Gerade diese Details sorgen dafür, dass Fahrgeschäfte wie das von Hoefnagels eine große Investition sind. Die bunte Fassade und Schmuckelemente sind Unikate und reine Handarbeit.

Der Transport ist das größte Risiko

Chip als Fahrkarte für die Geisterbahn

Gebaut wurde die Geisterbahn bei einer Firma, die sich seit Jahrzehnten auf den Bau von Autoscootern und Fahrgeschäften mit fahrenden Wagen spezialisiert hat. Rund 80 Tonnen bringt die „Diablos Residenz“ auf die Waage. Der Aufbau dauert etwa anderthalb Tage. Das größte Risiko für Schausteller ist deshalb auch kein Unwetter oder ein für kurze Zeit geschlossener Jahrmarkt, sondern der Transport des wertvollen Fahrgeschäfts. „Wir arbeiten nur mit Speditionen zusammen, denen wir absolut vertrauen“, erklärt Joseph Maria Hoefnagels. „Wenn der Lkw mit meiner Geisterbahn im Graben landet, habe ich ein riesiges Problem. So etwas kann man nicht einfach schnell wieder reparieren, gerade weil Fahrgeschäfte aufwendige Einzelstücke sind.“

Spezieller Schutz für Schausteller

Der Hamburger Dom findet bereits seit mehr als 125 Jahren auf dem Heiligengeistfeld statt

„Früher bestand das Schaustellergeschäft aus einer reinen Kaskoversicherung wie beim Auto“, erklärt Mayk Zmazek Direktionsbevollmächtigter Transport der KRAVAG LOGISTIC, der auch die „Diablos Residenz“ von Joseph Maria Hoefnagels versichert hat. „Aber die Ansprüche der Schausteller wurden höher und so haben wir die Versicherung über Jahre an die Bedürfnisse der Schausteller angepasst.“ Neben dem Inhalt der Bargeldkasse, einem klassischen Ertragsausfall, einer Brems-, Betriebs- und Bruchschadenklausel ist sogar eine Terrorklausel möglich, die im Falle eines Anschlags greift. „Das Schaustellergeschäft wird im Fachbereich Transport verortet. Dazu gehören aber nicht nur spektakuläre Geisterbahnen, Autoscooter, Riesenräder oder Wasserrutschen, sondern auch Risiken, die eine Nähe zur KFZ-Versicherung haben. Wir versichern auch Foodtrucks – egal, ob die auf dem Rummel, Festival oder Wochenmarkt stehen.“

Ein besonderes Geschäft mit viel Herzblut

Für Horror-Fans: Im Inneren der Geisterbahn erwartet die Fahrgäste unter anderem die Dämonen-Nonne aus dem Film "The Nun"

Für Joseph Maria Hoefnagels hat das Abenteuer Geisterbahn gerade erst begonnen. Noch bis Mitte Januar sind er und seine Frau mit der kleinen Tochter auf Tour. Dann geht es ins Winterlager. „Eine lange Pause haben wir aber nicht“, erklärt Hoefnagels. „Mitte März geht es schon wieder los.“. Mehr als zehn Monate im Jahr lebt die Familie in ihrem großen Wohnanhänger und reist quer durch Deutschland, ist teilweise auch in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden unterwegs. „Diesen Job und dieses Leben muss man wollen“, sagt der junge Schausteller. „Bei uns dreht sich alles um das Familiengeschäft. Das ist harte Arbeit und oft stressig. Aber man trifft auch jeden Tag neue und ganz unterschiedliche Leute, das macht wirklich Spaß. Der schönste Moment ist eigentlich, wenn die Gäste aussteigen und lächeln – oder in meinem Fall schreien. Dann weiß man, man hat alles richtig gemacht.“ 

Dämon und Riesenspinne an der Fassade der "Diablos Residenz"

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