Dagmar Altmannshofer ist Transportunternehmerin und Vorstandsmitglied des Landesverbands Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT). Anja Ludwig sprach mit ihr über Digitalisierung, Frauen in der Logistik und Verbandsarbeit.
Liebe Dagmar, wie bewertest du die aktuellen Entwicklungen in der Logistikbranche – etwa in Bezug auf Digitalisierung, Personalengpässe oder Nachhaltigkeit, und mit welchem Ausblick gehst du in das Jahr 2026? Gibt es Entwicklungen oder Trends, die deiner Meinung nach besonders wichtig oder richtungsweisend sein werden?
Liebe Anja, die Branche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Im Bereich Digitalisierung dominieren KI und Automatisierung aktuell viele strategische Entscheidungen, das kann Prozesse effizienter gestalten. Die Digitalisierung ist eine der größten Chancen der Branche in den nächsten Jahren. Hier sind einige Unternehmen Vorreiter, andere befinden sich noch am Anfang.
Der Fachkräftemangel bleibt ein sehr bedeutendes Thema und vor allem Problem, hier müssen wir auf gute Arbeitsbedingungen und Weiterbildung setzen, auch die Imageaufwertung unserer Branche ist hier in meinen Augen ein wichtiger Bestandteil. Wir müssen uns mit den Verbänden für die Förderung der Aus- und Weiterbildung einsetzen und auch die Rahmenbedingungen im Transportgewerbe stetig verbessern, insbesondere für die Fahrer.
Nachhaltigkeit ist teilweise noch unterrepräsentiert, wird aber auch eine immer größere Rolle in unserem Aufgabenbereich spielen. Wir müssen nachhaltig invenstieren; ob das immer die E-Mobilität ist, möchte ich dahin gestellt lassen. Aber wenn wir Nachhaltigkeit und Digitalisierung konsequent verbinden, kann das langfristig ein echter Wettbewerbsvorteil sein.
In jedem Fall gehen diese 3 Themen Hand in Hand um uns zukunftsfähig zu machen.
Welche Veränderungen würdest du dir wünschen, damit mehr Frauen den Schritt in Führungspositionen in der Speditions- und Logistikbranche wagen?
Die Branche ist traditionell männlich geprägt und Führungspositionen werden oft über informelle Netzwerke oder „alt gewachsene Verbindungen“ vergeben. Das BGL Unternehmerinnen Netzwerk ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Oft ist Spedition und Logistik mit langen Arbeitszeiten, Rufbereitschaften und Wochenendarbeit verbunden und gilt als „raues“ Umfeld. Hier braucht es eine Akzeptanz zur Vereinbarung von Führungsposition und Familie, oft auch einen starken Mann im Hintergrund. Es muss mehr sichtbare weibliche Führungskräfte in Verbänden und Medien geben. Führungskräfte, die durch ihr Können und ihr Wissen überzeugen, keine Quotenfrauen. Was Frauen in jedem Fall brauchen ist ganz einfach – Mut.
Welche Bedeutung hat die Kampagne „Ich fahr für dich“ aus deiner Sicht für die Wahrnehmung der Branche, wie bringt ihr euch mit eurem Unternehmen hier ein und was wünschst du dir von euren (Unternehmer-)Kollegen und Partnern?
Für mich hat das Thema Verband, egal ob BGL oder natürlich LBT, einen ganz wichtigen Stellenwert. Verband verbindet. Durch den Verband haben wir die Möglichkeit, gemeinsam stärker zu werden, uns zu verbinden und eine starke Stimme in Politik und Wirschaft zu werden. Die Kampagne #ichfahrfürdich ist eine morderne und zusätzliche Möglichkeit, uns der breiten Öffentlichkeit als starke Einheit zu präsentieren. Ein zeitgerechter Weg. Wir sind ein kleiner mittelständischer Betrieb und unsere Möglichkeiten sind begrenzt, aber wenn jeder nur einen kleinen Beitrag leistet, wird etwas großes daraus. Wir haben jetzt gerade ein Layout entworfen das unserem Unternehmenslayout treu bleibt und eine klare Linie von #ichfahrfürdich widerspiegelt und werden damit 3 neue Auflieger ausstatten. Außerdem haben wir den kleinen Hinweis #ichfahrfürdich auf jedem unserer PKW. Hier gilt wie im Verband: gemeinsam sind wir stark!
