Seit dem 1. Januar 2026 ist Sebastian Mederer Vorstand der KRAVAG-LOGISTIC Versicherungs-AG, der KRAVAG-ALLGEMEINE Versicherungs-AG sowie der KRAVAG-SACH Versicherungs-VaG. Der 44-Jährige arbeitet bereits seit mehr als zehn Jahren für die KRAVAG-Mutter R+V in Führungspositionen und leitete vorher den Bereich Firmenkunden Komposit.
Wo setzt du wichtige Akzente, um Spediteure und Transportunternehmen in einem volatilen Markt langfristig verlässlich zu begleiten und profitables Wachstum zu sichern?
Wenn ich auf den Markt schaue, dann sehe ich vor allem eines: viel Bewegung und wenig Planbarkeit. Genau deshalb ist es wichtig, Risiken entlang der gesamten Transport- und Logistikkette realistisch einzuordnen. Es geht nicht um abstrakte Modelle, sondern um ganz konkrete Fragen: Welche Waren sind unterwegs, wo liegen sensible Schnittstellen, was passiert beim Umschlag oder in der Lagerung? Wenn man diese Punkte sauber versteht, lassen sich Lösungen bauen, die auch dann noch tragen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.
Wachstum funktioniert nur dann, wenn Risiken beherrschbar bleiben. Ich halte wenig davon, erst im Schadenfall zu reagieren. Viel wirksamer ist es, früh hinzuschauen, Muster zu erkennen und aus Erfahrungen zu lernen. Ein gutes Schadenmanagement ist dafür ein echter Datenschatz – nicht nur zur Regulierung, sondern vor allem, um Ursachen zu verstehen.
Gerade in einem unruhigen Markt schätzen viele Unternehmen Verlässlichkeit und klare Entscheidungen. Ich sehe meine Aufgabe darin, diese Stabilität zu bieten und gleichzeitig offen für neue Anforderungen zu bleiben. Wenn Absicherung, Prävention und Entscheidungsfähigkeit zusammenspielen, entsteht genau die Sicherheit, die Spediteure und Transportunternehmen brauchen, um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben.
Lithiumbatterien haben im Transport und in der Lagerung stark an Bedeutung gewonnen. Wie gehst du mit den daraus entstehenden neuen Risiko- und Haftungsanforderungen um und wie entwickelt ihr den Versicherungsschutz dafür weiter?
Lithiumbatterien sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich Risiken in der Logistik gerade verändern. Sie sind aus vielen Lieferketten nicht mehr wegzudenken, bringen aber Eigenschaften mit, die man sehr ernst nehmen muss – vor allem im Zusammenspiel von Transport, Umschlag und Lagerung. Für mich beginnt der richtige Umgang deshalb immer mit einem sauberen Verständnis der tatsächlichen Abläufe und Rahmenbedingungen.
Wir schauen dabei nicht nur auf die Batterie an sich, sondern auch auf den Kontext: Wie ist sie verpackt, in welchem Zustand wird sie transportiert, wo gibt es Schnittstellen, an denen Risiken entstehen können? Auf diese Weise entscheidet sich, ob ein Risiko beherrschbar bleibt oder nicht. Diese Differenzierung ist wichtig, weil pauschale Lösungen nicht weiterhelfen und Schäden, die im Zusammenhang mit Lithiumbatterien auftreten, enorme Auswirkung haben können. Aus solchen Fällen müssen wir konsequent lernen, Muster erkennen und daraus gewonnenes Wissen, in unsere Konzepte übersetzen.
Was die Weiterentwicklung der Absicherung angeht, setze ich auf schrittweises Vorgehen statt auf schnelle Versprechen. Neue Technologien brauchen Zeit, um verstanden zu werden. Deshalb werden Konzepte kontinuierlich überprüft, angepasst und enger an die Praxis angebunden. Auf diese Weise entsteht nach und nach ein Rahmen, der sowohl den besonderen Risiken von Lithiumbatterien gerecht wird als auch wirtschaftlich tragfähig bleibt.
Logistikunternehmen brauchen schnelle, klare Entscheidungen. Wie können unsere internen Prozesse im Underwriting und Schadenmanagement optimiert werden, um noch besser auf die operative Lebenswirklichkeit von Spediteuren und Transportunternehmen reagieren zu können?
Schnelle und klare Entscheidungen sind für Logistikunternehmen ein zentraler Erfolgsfaktor. In einem operativen Umfeld, das von Zeitdruck und hoher Taktung geprägt ist, müssen Abläufe verlässlich funktionieren und Orientierung geben. Genau daran richte ich auch die Weiterentwicklung interner Prozesse aus.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist für mich, fachliche Kompetenz und Entscheidungskompetenz eng zusammenzuführen. Wenn Underwriting und Schadenmanagement nah an den operativen Abläufen sind, lassen sich viele Fragestellungen zügig und sachgerecht klären. Klare Zuständigkeiten und kurze Wege helfen dabei, sowohl Standardfälle effizient zu bearbeiten als auch komplexe Sachverhalte gezielt dort zu bündeln, wo Erfahrung und Überblick vorhanden sind.
Ebenso wichtig ist der bewusste Umgang mit Erkenntnissen aus dem Schadenmanagement. Schadenfälle liefern wertvolle Hinweise auf Risiken, Ursachen und Entwicklungen. Wenn dieses Wissen systematisch zurück in die Zeichnung und in präventive Überlegungen einfließt, verbessert das die Qualität von Entscheidungen spürbar.
Am Ende geht es darum, Prozesse so auszurichten, dass sie die operative Realität der Kunden unterstützen. Verlässliche Ansprechpartner, nachvollziehbare Entscheidungen und eine transparente Kommunikation schaffen Vertrauen – und genau das brauchen Spediteure und Transportunternehmen, um im Tagesgeschäft handlungsfähig zu bleiben.
