Bereits in vierter Generation leitet Max Menninger die Spedition Menninger im fränkischen Rothhausen. Als Geschäftsführer des langjährigen Familienunternehmens steht er nicht nur vor der Aufgabe Traditionen zu erhalten, sondern auch die Firma fit für die Zukunft zu machen. Anja Ludwig sprach mit ihm über die aktuellen Herausforderungen, mit denen Unternehmerinnen und Unternehmer in der Branche konfrontiert sind - und seinen Podcast "Funkkontakt".
Die aktuelle wirtschaftliche Lage ist extrem herausfordernd. Wie trifft man als Unternehmer Entscheidungen, wenn sich Marktbedingungen wöchentlich und manchmal sogar täglich ändern - ohne dabei die Mitarbeitenden zu verunsichern?
Grundsätzlich sind wir es im Speditionsbereich natürlich gewohnt, mit unkonstanten und schwierigen Marktbedingungen zu arbeiten. Allerdings hat das Ausmaß der aktuellen Situation - besonders in Bezug auf Treibstoffpreise, Antriebstechnologien, Fahrpersonalplanung und Wettbewerb - selbst für uns eine neue Qualität an Herausforderungen mit sich gebracht.
Es ist heutzutage extrem wichtig, seinen Wert zu kennen und wenn möglich eine Dienstleistung anzubieten, die sich vom Wettbewerb abhebt.
Ich versuche trotz allem in einen modernen Fuhrpark, inklusive modernem Equipment, zu investieren und positiv in die Zukunft zu schauen, um sich nicht von wirtschaftlicher Unsicherheit hemmen zu lassen. Diese Haltung wirkt natürlich auch auf die Mitarbeiter und zeigt zusammen mit einer offenen und ehrlichen Kommunikation, dass der Betrieb zukunftsorientiert und langfristig Arbeitsplätze schafft und den extremen Marktbedingungen trotzt. Wenn das Team die Hintergründe versteht und merkt, dass wir einen klaren Plan haben, wandelt sich potenzielle Verunsicherung in echten Zusammenhalt.
Der Fachkräftemangel ist unter allen Herausforderungen in der Transport- und Logistikbranche ein Dauerbrenner. Wie begegnest du diesem Problem?
Wer heute noch Standard-Stellenanzeigen schaltet, hat im Grunde schon verloren.
Wir gehen das Thema sehr proaktiv über moderne Medien an. Ich zeige in den sozialen Medien beispielsweise viele Einblicke in den Alltag der Fahrer, in den Fuhrpark und in die Betriebsabläufe, wie beispielsweise die Werkstatt. Dadurch machen wir das Unternehmen anfassbar für potenzielle Bewerber und schaffen eine Marke, mit der sich unsere Mitarbeiter identifizieren können. Auch das Thema Podcast spielt uns bei dem Thema Mitarbeitergewinnung natürlich in die Karten. Über diese Plattform erreiche ich wöchentlich authentisch tausende von Bewerbern und bin gewisserweise dauerpräsent in den Köpfen der Hörer.
Lass uns noch kurz über deinen Podcast Funkkontakt sprechen. Wie kam es zu der Idee, warum macht ihr das und was war die bisher überraschendste Erkenntnis dabei?
Die Idee kam von meinem Podcast-Partner Kai und seiner Community. Er ist einer der größten LKW-YouTuber im deutschsprachigen Raum und hat mich vor zwei Jahren, nachdem er auf Social Media auf mich aufmerksam wurde, zu einem Interview eingeladen. Es ging um „Sorgen und Nöte“ aus Sicht eines Jungunternehmers in unserer Branche. Das Video kam so gut an, dass der Gedanke entstanden ist, einen gemeinsamen Podcast zu starten. Die Erwartungshaltung war ehrlicherweise sehr ergebnisoffen und wir wurden absolut positiv überrascht, wie gut die Dynamik zwischen uns als LKW-Fahrer und Unternehmer im Dialog bei den Hörern ankommt. Die Aufrufzahlen steigen nach wie vor wöchentlich und es entstehen draus unter anderem Projekte wie ein Live-Podcast in Köln im Sommer 2026 und ein Merchandise-Shop für Trucker. Die überraschendste Erkenntnis war, dass der Podcast mittlerweile sogar von Kontrollorganen regelmäßig gehört wird und wir unfassbar viel Feedback aus unterschiedlichsten Richtungen bekommen. Möglicherweise schaffen wir es, durch dieses Medium und durch regelmäßiges Aufzeigen von Missständen in der Branche, Themen wie Parkplatzmangel, Wettbewerbsverzerrungen, illegale Beschäftigung und marode Infrastruktur für die breite Masse zugänglich zu machen und somit die Bedingungen für alle zu verbessern.
Inzwischen ist der Podcast auf Youtube, Spotify, Apple und Amazon Music verfügbar.